B12 Kino
Di 01.04.08 ~ 21:00 Uhr
Julian Donkey-boy
Harmony Korine liebt schrille Szenerien. Wie schon bei Gummo verharrt die Geschichte in Sinnbildern. Der Film stolpert in wackligen Aufnahmen, TV-Eisprinzessinenrevue und Standbildern von einem Sketch zum andern. In Musikvideoästhetik wird der ganze Horror der festen Zelle der Kleinfamilie unterbreitet.
Julian ist schizophren, in ihm leuchtet nur sequenzartig und unzusammenhängend eine Art von Realität auf. Totgeschlagener Junge – Abendessen. Die Schwester spielt seine Mutter und ist die Mutter seines Kindes. Dem Bruder tut er weh, weil er keine Kampfregeln kennt, sondern nur Angst. Werner Herzog als Vater, der sich seiner Familie bedient, um sich seiner Selbstbeherrschung zu versichern. Der noch seine schrägsten und sadistischen Wünsche zu rationalisieren weiß. Alles unter Kontrolle.
R.: Harmony Korine / 94 min / USA 1999 (OV)
Di 08.04.08 ~ 21:00 Uhr:::Bündnis gegen Antisemitismus:::
Hotel Terminus - The Life and Times of Klaus Barbie
Es wird ein epischer Dokumentarfilm zu sehen sein, der durch Interviews mit Zeitzeugen die Taten, die Flucht und schließlich den Prozess des Gestapo-Chefs von Lyon Klaus Barbie nachzeichnet. Barbie war während des Vichy-Regimes als „Schlächter von Lyon“ bekannt, und folterte unter vielen anderen den Resistance-Kämpfer Jean Moulin zu Tode. Hotel Terminus wurde 1989 als bester Dokumentarfilm mit dem Oscar ausgezeichnet.
R.: Marcel Ophüls / 267 min / USA, F 1988 (Doku)
Di 15.04.08 ~ 21:00 Uhr:::Reihe: Ostdeutsche Verhältnisse - Blühende Landschaften, Prekarisierung und Neonazis:::
Da ist man lieber still - Am rechten Rand der Republik
„Da ist man lieber still“ ist ein Film, der sich abseits von Sensationen in eine Region begibt, in der rechtsradikales Gedankengut in vielen Wohnzimmern zuhause ist. Hier präsentieren sich Nazis inzwischen ungeniert als „die netten Jungs von nebenan“, ohne Springerstiefel, Glatzen und Bomberjacken. Auf den Aufstand der Anständigen wartet man bisher vergeblich.
R.: Eilika Meinert / 45 min / D 2007 (Doku)
anschließend: Diskussion
Di 22.04.08 ~ 21:00 Uhr
Here we come
Dessau/Leipzig/Berlin/Görlitz… in den 80ern: Simo, Beatachmidt, Magic Mayer… Breakdande ist ihre Heimat, Hip Hop ihr Leben. Trotz realsozialistischem Alltag, Beobachtung durch den Staat und ständiger Überprüfung der Systemtreue gehen sie ihren eigenen Weg. HERE WE COME erzählt ihre Geschichte und was bis heute davon überlebt hat.
R.: Nico Raschick / 90 min / D 2006 (Doku)
Di 27.04.08 ~ 21:00 Uhr
Mädchen in Uniform
Nach dem Theaterstück Gestern und Heute von Christa Winsloe, das 1931 verfilmt wurde - der erste deutsche Film mit explizit lesbischem Topos. Der Film wurde gleich ob seiner Kritik an Obrigkeitshörigkeit und preußischem Drill, nicht aber aufgrund des lesbischen (Sub)textes, ein Welterfolg. Unter den Nazis wurde der Film verboten, 1977 wieder öffentlich gesendet Manuela von Meinhardis soll in einem Adelspensionat zur gehorsamen Hausfrau und Soldatenmutter erzogen werden. Dort verliebt sie sich in ihre Lehrerin Fräulein von Bernburg. Ungleich dem Film stirbt Manuela unglücklich am Ende des Buches - ein typischer Ausgang in der Zeit und den nachfolgenden Jahrzehnten.
R.: Leontine Sagan / 98 min / D 1931 (OV)


